Konzert 4

Montag, 26. Dezember 2011
17 Uhr Schlosskirche

„Europäische Weihnachten – Spanien“
Weihnachtskonzert

L’arpa festante
Barockorchester München


Wie eine Reihe von Perlen erscheint die Folge von Weihnachtsmusiken aus Europa. In diesem Jahr ist "Spanien" das ausersehene Land. Liebevoll ausgewählte Concerti und Sonaten von Cristobal de Morales, Franco Guerrero, Antonio de Cabezón und Tomás Luis de Victoria erklingen und verbreiten sowohl den festlichen Glanz, als auch den milden Schein von Weihnachten. Die Italiener Domenico Scarlatti und Luigi Boccherini lebten bis zu ihrem Tode in Spanien.
Das Münchner Barockorchester L'arpa festante erfreut uns mit seiner frischen und kundigen Art des Musizierens.


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Eine wunderschöne Weihnachtsmusik

Foto: Schenk, mittelhessen.de

"L arpa Festante" bringt spanische Klänge mit


Weilburg. Schon seit Jahren gestaltet das Barockorchester "L'arpa Festante" aus München am zweiten Weihnachtstag in der Schlosskirche ein festliches Konzert, das Kantorin Doris Hagel als künstlerische Leiterin des Vereins "Alte Musik im Weilburger Schloss" zum festen Bestandteil der Serie werden ließ.

Unter dem Motto "Europäische Weihnachten" bekommen damit die Besucher Gelegenheit, die Musik zum Christfest aus verschiedenen europäischen Ländern kennenzulernen. War ursprünglich zunächst Österreich vorgesehen, so entschieden sich die Veranstalter schließlich für Spanien, dessen Musikgeschichte eng mit den politischen Verhältnissen auf der iberischen Halbinsel verquickt ist, wie in der Einführung von Doris Hagel nachzulesen ist. Die erste Blüte erlangte die spanische Musik aber erst im 16. Jahrhundert, dem "goldenen Zeitalter" Spaniens, in den Kapellen der großen Kathedralen.

Die römische Schule nahm mit Palestrina und Orlando di Lasso Einfluss auf das Genre. Zu europäischen Rang führt vor allem die Literatur für die Orgel. Die Notation war damals die übliche Tabulaturform, eine Notenschreibweise, die noch von dem norddeutschen Orgelmeister Dietrich Buxtehude gebraucht wurde.

Die neue Kunst der Variationen und des Improvisierens kam hier zum Tragen. Die Laute hatte eine besondere Bedeutung. Die meisten Lieder des weihnachtlichen Konzertes entstammten der 1556 gedruckten Sammlung "Villancicos de diversos Autores" die unter anderem zwölf "Villancios de Navidad" (Weihnachts-Villancicos), die sich vom spanischen "Villa" (Stadt) ableiten und dadurch die Volkslieder als Villen bezeichnet wurden.

Das Ensemble, das nicht nur große Erfahrung auf Gebiet der alten Musik aufweisen kann, sondern auch einen unverkennbaren Klangcharakter aufzeigt, bot eine wunderschöne intime Weihnachtsmusik.

"Erholsame Klänge"

Ja, es waren pure Klänge zum Erholen und sie ließen die hektische Vorweihnachtszeit fast vergessen. Das farbige nuancenreiche und sensible Spiel der Musikerinnen und Musiker führte die Zuhörer in eine Zeit ohne den kommerziellen Weihnachtstrubel. Die solistische Concertino-Besetzung hatte gerade in der Schlosskirche ihren besonderen Reiz. Ute Kreidler, eine Sopranistin voller Herzblut, bildete so den Leitfaden für die Darstellung der Musik aus jener Zeit. Johannes Vogt (Laute) als Begleiter ließ die aparten Saitenklänge einfühlsam in den Kirchenraum, den erstaunlich viele Besucher füllte. Mit viel Mut zum Gefühl sang Ute Kreidler ein traditionelles spanisches Wiegenlied. Besonders ausdrucksstark sang sie das mit großer Aufmerksamkeit verfolgte Weihnachtslied "No la devemos dormir la Noche Santa" ("Wir dürfen nicht schlafen in der heiligen Nacht"). Zwischen den weiteren selten gehörten Stücken kam auch die Orgel der Schlosskirche zu ihrem Recht, die Martin Müller bediente. Hier ergänzte sich das "Pastorale" von Domenico Zipolo mit den anderen zu Herzen gehenden Stücken, die in der Ensemble-Besetzung mit den herausragenden Streichern (Christoph Hesse, Dorothee Hesse-Violinen), Gabriela Steinpflug -Violine/Viola, Christian Niedling/Cello) eine wirkungsgreifende Ergänzung erfuhren.

mittelhessen.de, 29.12.2011


Weihnachten auf Spanisch

Ute Kreidler und Johannes Vogt musizierten in Weilburg spanische Weihnachtslieder. Foto: Zimmermann

Alte Musik im Weilburger Schloss – Villancios begeisterten – Bestechende Schönheit.
Die "Alte Musik im Weilburger Schloss" führte dieses Mal nach Spanien und sorgte für ein Erlebnis der besonderen Art.

Von Helmut Zimmermann

Weilburg.
Ute Kreidler und Johannes Vogt musizierten in Weilburg spanische Weihnachtslieder. Foto: ZimmermannUte Kreidler und Johannes Vogt musizierten in Weilburg spanische Weihnachtslieder. Foto: ZimmermannUte Kreidler und Johannes Vogt musizierten in Weilburg spanische Weihnachtslieder. Foto: ZimmermannDer Frage, welche musikalischen Traditionen es in anderen Ländern zu Weihnachten gibt, widmet sich nun schon im vierten Jahr das Weihnachtskonzert der "Alten Musik im Weilburger Schloss" mit der eigens ins Leben gerufenen Reihe "Europäische Weihnachten". Hießen die bisherigen Stationen Italien, Frankreich und England, so war man diesmal auf der iberischen Halbinsel in Spanien zu Gast, einem Land, in dem es keine so große Weihnachtsliedertradition gibt wie hierzulande. Grund dafür ist die enge Verwobenheit der spanischen Musikgeschichte mit den politischen Verhältnissen, da bleibt "fürs Gemüt" nicht allzu viel übrig.

Doch was am zweiten Weihnachtstag in der Schlosskirche an spanischer Weihnachtsmusik auf dem Programm stand, konnte sich, auch wenn einiges fremd wirkte, wahrlich hören lassen, vor allem die "Villancios", so der Name der spanischen Weihnachtslieder. Wie ein roter Faden zogen sich diese von Ute Kreidler gesungenen Villancios, mit der Laute von Johannes Vogt einfühlsam begleitet, durch das Programm. Sie wurden umrankt von Orgel- und Orchesterstücken spanischer und anderer Komponisten, die zeitweise in Spanien gelebt haben, wie beispielsweise Domenico Scarlatti (1685–1757). Von ihm spielten Mitglieder des in Weilburg bestens bekannten Münchner Barockorchesters L‘Arpa Festante, das auch die Orchesterstücke gestaltete, die viersätzige "Sonata per violino et basso continuo d-moll", wobei die Geigerin Gabriela Scheinpflug ihrer Violine für diese frohen Stücke sehr bestimmt eher rauh-herbe, kräftige Töne denn süßlich-schmeichelnde entlockte. Vor allem gefielen die beiden Allegri, rhythmisch betonte fröhliche Stücke, aufmerksam unterstützt von Christian Niedling am Cello und von Martin Müller am Cembalo.

Helle Klangfarben

Martin Müller interpretierte ebenfalls die beiden Orgelstücke, das eine von Pablo Bruna (1611–1679) – einem spanischen Organisten und Komponisten, der als Kind nach einer Pockenerkrankung erblindete, fast ausschließlich Werke für Orgel schuf, 1650 Hoforganist bei Philipp IV. wurde und in seiner Heimatstadt Darcca/Aragon starb – das ruhige, aus einfachem Beginn sich immer komplexer in hellen Klangfarben entfaltende "Tiento (Toccata) über die Litanei der Jungfrau (Maria)". Und von Domenico Zipoli (1675–1726) ein fröhliches, tänzerisches, unbeschwertes und heiteres Stück, das seiner Bezeichnung als "Pastorale" alle Ehre machte.

Dass er auch virtuose Läufe leichthändig beherrscht, bewies Martin Müller bei einem Cembalo-Solo von Francesco Carrea de Arauxo (1584–1654). Mit frischem Schwung, sehr nuanciert und geschmeidig musizierte "L‘Arpa festante" die Stücke von Giovanni Maria Trabaci (1575–1647), die chromatisch angelegten Sesto Tono Cromatico und die Canzona Francesca Cromatica, die beide konzentriertes Zuhören verlangten, und die rhythmisch betonte Gagliarda Quinta.

In reizvoller Besetzung mit zwei Violinen, Cello, Bass Gitarre und Cembalo erklangen die sehr lyrische Espanoleta und die schwungvoll endende Pavana nach verhaltenem Beginn eines anonymen spanischen Tonsetzers aus dem 17. Jahrhundert.

Der große Star des Abends aber war zweifellos die Sopranistin Ute Kreidler mit der ganz wunderbaren Darbietung der zahlreichen Villancios, die vorwiegend aus dem 16. Jahrhundert stammten. Von bestechender Schönheit der helle, klare Ton ihrer Stimme, und was für eine!

Unangestrengt erklomm sie höchste Höhen und füllte auch im Pianissimo noch den Kirchenraum aus. Mit großer Leichtigkeit und Souveränität, warm ohne jegliche Schärfe klingend, sozusagen "wie für sich selbst allein gesungen", erstrahlten die Villancios, die traditionellen Lieder "Nani, nani" (vergleichbar dem "Eiapopeia") und "Veinticinco de diciembre" (25. Dezember) sowie die "Canzonetta Spirituale sopra all nanna" von Tarquino Merula (1594–1663) in einer Reinheit und, man verzeihe, "Unschuld", die diese Gesangsdarbietung zu einem großen Ereignis werden ließen. Ein unverhofftes, überraschendes Weihnachtsgeschenk, das lange nachklingt und neue Auftritte dieser Sopranistin in Weilburg nicht nur zu einem Weihnachtswunsch für das neue Jahr werden lässt.

Nassauische Neue Presse, 28.12.2011