Sonderkonzert
Sonntag, 2. Oktober 2011
17 Uhr, Schlosskirche
„Dowland’s Delight"
Harfenklänge der Renaissance aus Irland
mit Werken von John Dowland (1563 - 1626)
Tom Daun – Harfe
Der englische Lautenist und Komponist John Dowland wirkte acht Jahre am dänischen Königshof unter Christian IV. (1577-1648). Einer seiner Kollegen in der Hofkapelle war der irische Harfenist Charles O'Reilly. Die beiden haben gewiß zusammen musiziert, denn das gemeinsame Spiel von Harfe und Laute erfreute sich damals großer Beliebtheit. Tom Daun präsentiert in diesem Programm klangvolle Bearbeitungen von Lauten-Kompositionen des 16. und 17. Jahrhunderts für verschiedene historische Harfen. Auch versteht er es, sein Publikum mit zeitgenössischen Texten, Anekdoten aus dem Leben der Komponisten und Erläuterungen zu den Instrumenten für die Welt der höfischen Harfenkultur der Renaissance zu begeistern.
Pressebericht zu dem Sonderkonzert
Köstliche Klänge auf der Harfe präsentiert
Tom Daun konzertierte in der Reihe „Alte Musik“ in der Weilburger Schlosskirche
Das Sonderkonzert mit dem Harfenisten Tom Daun in der Reihe "Alte Musik im Weilburger Schloss" in der Schlosskirche hatte eine erstaunlich große Resonanz. Kein Wunder: Die Freunde individueller Musik erlebten eine außergewöhnliche Veranstaltung. Von Willibald Schenk
Mit diesem Konzert hatte sich Weilburgs Kantorin Doris Hagel, künstlerische Leiterin der Konzertreihe "Alte Musik", zu ihrem 25-jährigen Dienstjubiläum quasi selbst ein Geschenk gemacht.
Um es vorwegzunehmen: Das Spiel des Harfenisten empfanden die Besucher als seltene Schönheit an diesem Wirkungsort. Die freundliche und geborgene Atmosphäre, die von diesem barocken Gotteshaus ausgeht, haben den Künstler offenbar beflügelt, sein vortreffliches Spiel zu steigern, um auch die "inneren Räume" der Zuhörer zu erreichen. Tom Daun, der in Solingen lebt, ist "Master of Music" der schottischen Universität Edinburgh. Er ist weithin als gefragter Interpret von historischer Harfenmusik bekannt.
Dass die Harfe als eines der ältesten Saiteninstrumente der Menschheit gilt, belegen Vasenbilder, die an den Höfen von Babylon vor 4000 bis 5000 Jahren entstanden sind. Mit dem weißhaarigen König David wird das Instrument oft in Gemälden ins Spiel gebracht. So gab Tom Daun auch einen Einblick in die Geschichte des Harfenspiels.
"Dowland’s Delight" , so hatte der sympathische Künstler sein Programm umschrieben, das auch die Freude an der Harfe aus jener Zeit offenbaren sollte. Denn als der Lautenist John Dowland, der von 1598 bis 1606 am dänischen Hof von Christian IV. tätig war, wirkte in der königlichen Kapelle auch der irische Harfenist Charles O’Reilly mit. Man darf daher annehmen, dass beide auch gemeinsam musizierten. Wie dem auch sei, auf jeden Fall verknüpfte Tom Daun sein umfangreiches Repertoire ganz im Sinne dieser Zeit. Da war auch der Lautenist Hans Judenkünig (1445-1526) vertreten, dessen Titel von spanischer oder niederländischer Herkunft sind und an bäuerische Tanzmusiken erinnerten. In seinen Einführungen in das Programm ließ Daun sich Zeit, einige humorvolle Anekdoten zu erzählen. Die Tatsache, dass der Künstler gleich mehrere historische Harfen erklingen ließ, machte das Konzert noch spannender und abwechslungsreicher. Er stellte eine aus Italien stammende Arpa doppia in zweireihiger Anlage und chromatischer Stimmung vor. Außerdem waren eine kleine gotische, eine keltische und eine böhmische Harfe zu hören und zu sehen. In der Pause gab es für interessierte Besucher weitere Erklärungen.
Einfallsreich improvisiert
Neben John Dowland und Hans Judenkünig als Komponisten und Lautenisten erfüllten Tanzstücke und konzertante Weisen von Melchior Neusiedler, Esaias Reusner, Silvius Leopold Weiss und Gaspar Sanz den Kirchenraum mit Klang. Damit wurde dem aufmerksamen Auditorium gleichsam die Welt der höfischen Harfenkultur lebendig demonstriert. Tom Daum als Komponist und einfallsreichen Improvisator zu hören, war eine Bereicherung mehr. In diesem Zusammenhang war es interessant zu erfahren, dass die meisten Harfen-Werke aus dem großen Schatz der Lautenmusik bearbeitet worden sind. Um so erstaunlicher war, dass aus der Renaissance-Zeit kaum originale Literatur für die Harfe zu finden ist. Aber anknüpfend an die improvisatorischen Tradition der beiden verwandten Saiteninstrumente, wurden die originalen Lautenkompositionen dabei der Harfe so angepasst, dass die Zuhörer von der aparten Klangfarbe begeistert waren. Übrigens kennt man diese Übung auch aus der Barockzeit. Gerade J. S. Bach arrangierte eigene und fremde Kompositionen für andere Instrumente. Nach weiteren virtuos und entzückend gespielten Stücken, die enormen Beifall bekamen, waren die Besucher noch so aufnahmefreudig, zwei beschwingte Zugaben zu hören. Ein wahrhaft köstliches Konzert!
Artikel vom 22. Oktober 2011, 03.23 Uhr (letzte Änderung 22. Oktober 2011, 05.00 Uhr)
Quelle:
FNP
Nächstes Konzert in dieser Reihe:
Sonntag, 13. November 2011, 17 Uhr, Schlosskirche Weilburg
Felix Mendelssohn Bartholdy - „Elias“ op. 70
Oratorium für Soli, Chor, Orchester
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